All die guten Dinge

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All die guten Dinge

All die guten Dinge

In der dritten Kasse unterrichtete Helen P. Mrosla 34 Schülerinnen und Schüler, die ihr alle gleich lieb waren. An einen erinnerte sie sich besonders, Mark Eklund. Schon damals fiel er durch eine sehr besondere Mischung auf: Er war lebhaft, redselig, manchmal ein bisschen anstrengend – aber niemals respektlos. Er entschuldigte sich immer sofort und aufrichtig, wenn er etwas unterbrochen hatte.

Seine Lehrerin beschrieb ihn als einen Jungen, der eine sehr offene, warme und fast entwaffnende Lebensfreude ausstrahlte. Wenn man ihn ermahnte, lächelte er oft so, dass man ihm schwer böse sein konnte. Er war jemand, der jeden Morgen so wirkte, als freue er sich wirklich auf den neuen Tag – ein Kind, das „glücklich zu leben“ schien, selbst wenn die Aufgaben schwierig waren.

Jahre später, in der neunten Klasse, trifft Mrosla ihn wieder – inzwischen älter, aber immer noch mit dieser freundlichen Art. An einem Tag scheint alles schiefzugehen, die Schülerinnen und Schüler beginnen unzufrieden zu werden. Mrosla wollte dies beenden und bat die Schülerinnen und Schüler ein Blatt Papier zu nehmen und die Namen aller Klassenkameraden aufschreiben. Sie bat darum, sie sollten an das Sympathischste denken, was sie von jedem ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler sagen könnten und dies notieren.

Die Kinder nahmen diese Aufgabe ernster, als Mrosla erwartet. Am nächsten Schultag teilte sie die fertigen Listen aus. Was dann passiert, prägte sich ihr ein:

  • Die Kinder beugten sich über die Blätter, erst vorsichtig, dann mit leuchtenden Augen.
  • Einige lasen die Sätze mehrmals nacheinander.
  • Manche lächelten breit, manche wurden still.
  • Einer flüstert: „Ich wusste gar nicht, dass die anderen das über mich denken.“
  • Ein anderer sagte: „Ich hätte nie gedacht, dass ich so wichtig bin.“

An diesem Tag wirkte die Klasse verändert – offener, wärmer, geduldiger miteinander. Und selbst wenn der Alltag später wieder einkehrte, blieb etwas von dieser Erfahrung hängen: dass jeder Mensch Gutes in sich trägt, gesehen und benannt von anderen.

Jahre später

Die Lehrerin hatte die Schülerinnen und Schüler inzwischen aus den Augen verloren. Ihr Leben ging weiter, sie unterrichtet andere Klassen. Dann erhielt sie eines Tages eine Nachricht: Mark ist im Vietnamkrieg gefallen.

Sie ging zu seiner Beerdigung. Die Kirche ist still, die Angehörigen tragen die Trauer sichtbar im Gesicht. Nach der Zeremonie bat Marks Vater sie beiseite. Er holte seine Brieftasche hervor, öffnet sie langsam – und zog vorsichtig ein mehrfach gefaltetes, abgenutztes Blatt Papier hervor.

„Das hat man bei ihm gefunden“, sagt er. „Er hat es immer bei sich getragen.“

Es ist die Liste aus ihrer Klasse – die Liste mit „all den guten Dingen“, die die Mitschüler einst über Mark geschrieben hatten. Die Kanten sind eingerissen, das Papier verblasst. Aber man erkennt noch die Worte.

Kurz darauf tritt Marks Mutter hinzu und sagt:
„Danke, dass Sie das damals gemacht haben. Das hat Mark mehr bedeutet, als Sie ahnen.“

In diesem Moment gesellten sich weitere ehemalige Schülerinnen und Schüler zu ihnen – inzwischen junge Erwachsene. Als sie die Liste sahen, lächelten sie, und mehrere von ihnen sagten nacheinander:

  • „Ich hab meine auch noch. Zuhause in einer Schublade.“
  • „Meine steckt in meinem Tagebuch.“
  • „Ich schaue manchmal rein, wenn ich einen schlechten Tag habe.“
  • „Ich habe meine immer bei mir.“

Liebe Kundinnen, liebe Kunden, liebe Freunde unseres Hauses,

die Geschichte von „All die guten Dinge“ hat mich seinerzeit tief berührt, sie strahlt so viel Herzwärme aus. Wie wäre es, wenn jeder so eine Liste bei sich tragen könnte mit all den positiven Eigenschaften, die andere an uns wahrnehmen, die uns häufig gar nicht bewusst sind.

Vielleicht ergibt sich die Chance in einer größeren Gemeinschaft untereinander diese Listen zu erstellen und diese dann auszutauschen.

Wir wünschen Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest voller Gemeinschaft und Liebe und für das Neue Jahr viele Glücksmomente, Leichtigkeit und Gesundheit.

Mit sehr herzlichen Grüßen

Anna Maria & Roland Müller

Traditionell unterstützen wir die Aktionsgruppe „Kinder in Not“ e.V., Haus Heisterbach Bausteine für das Leben e.V., die Tafel in Thomasberg und das Hebammenhaus Rhein-Sieg e.V.